Die Druiden: sie waren in keltischer Zeit hochangesehene Personen. Sie fungierten als Priester und Heiler, Wahrsager und Weisen. Sie kamen aus adeligen Kreisen und widmeten ihr Leben dem Studium der Religion und der Philosophie. Die Druiden waren begehrte Ratgeber – in intellektuellen, astrologischen und juristischen Fragen.
Ihre Weisheit in den unterschiedlichsten Wissensgebieten mussten sich die Druiden über viele Jahre und Jahrzehnte hart erarbeiten. Und – es wurde nichts aufgeschrieben! Das ganze Wissen der damaligen Zeit ruhte nahezu ausschließlich in den Köpfen der Druiden. Sie gaben ihr Wissen an ihre Schüler weiter – aber nur mündlich. Bis ein Schüler endlich ein anerkannter, "richtiger" Druide war, zogen zuweilen 20 Jahre ins Land!
Dafür war er nun eine geachtete Persönlichkeit in der Dorfgemeinschaft mit so manchen Annehmlichkeiten: der Druide musste nicht in den Krieg ziehen, er zahlte keine Steuern und für seinen Lebensunterhalt sorgte die Dorfgemeinschaft reichlich. Aus gutem Grund:

schließlich hingen das Schicksal und die Zukunft der keltischen Dorfgemeinschaften vom Können des Druiden ab. Er war es schließlich, der mit den Göttern und den Geistern Kontakt aufnehmen und Hilfe und Schutz erbitten konnte. Wegen ihrer Fähigkeiten, mit Göttern und Geistern zu kommunizieren, waren sie gerngesehene Berater der keltischen Fürsten.
Uneingeschränkte Macht hatten die Druiden dennoch nicht: der älteste und weiseste Druide wurde zum Oberdruiden gewählt. Er leitete für ein Jahr die druidische Gemeinschaft, legte Aufgaben fest und berief Zusammenkünfte ein. Diese streng geheimen Treffen fanden im Karnutenwald statt, jenes sagenumwobene zentrale Heiligtum in der "Mitte Galliens", wie Cäsar es beschrieb. In der heutigen Zeit ist dieses historische Gebiet in der französischen Gebietskörperschaft Centre zu finden, bekannte Städte sind Orléans und Chartres.
Laut römischer Überlieferung waren die Druiden weiß gekleidet, die Mistel wurde von ihnen als heilige Pflanze verehrt – vermutlich als Sinnbild für das Leben, da Misteln auch im tiefen Winter noch lebendig-grün auf den Bäumen wachsen. Die große Zeit der keltischen Druiden ging ganz langsam zu Ende: als Kaiser Augustus Gallien zur römischen Provinz ernannte, entstand eine Mischreligion. Die Druiden begannen die gallorömischen Heiligtümer zu verehren oder aber sie wurden römische Einzelpriester einer bestimmten Gottheit. Damit verloren die einst hochangesehenen Männer ihre Machtposition und ihren Einfluss auf die Gesellschaft. Die ursprüngliche Gemeinschaft der Druiden überlebte nur in Britannien – bis zum Jahre 60 nach Christus: in jenem Jahr überfielen Römer eines der verbliebenen Hauptheiligtümer der Druiden und zerstörten jene Kultstätte auf einer kleinen Insel vor der walisischen Küste. Damit ging auch eine der wichtigsten Druidenschulen für immer verloren.